Siu Nim Tao – das Alphabet der Kampfsprache

Geschrieben am 4. September 2016 von Mario Clavadetscher

Die Siu Nim Tao (siehe Video/Link unten) ist die erste Form im WingChun und bedeutet soviel wie “eine kleine Idee” (des WingChun-KungFu).

Für Laien, aber vor allem auch für erfahrene Kampfkünstler aus anderen Stilen mag sie auf den ersten Blick etwas sonderbar wirken. Die Siu Nim Tao sieht zwar nach Kampfkunst aus – vielleicht auf einem etwas meditativen Niveau – aber was das Ganze mit Kampf oder Selbstverteidigung zu tun haben soll, erschliesst sich dem Zuschauer und auch dem Anfänger vermutlich nicht ohne weitere Erklärungen. Für mich am hilfreichsten für das Verständnis war immer die Metapher der Sprache. Wenn wir den Kampf mit dem Sprechen oder Reden vergleichen würden, dann wäre die Siu Nim Tao das Alphabet oder die einzelnen Buchstaben, welche es zuerst zu lernen gilt. Wir stehen also im Kampf weder X-beinig da, noch bewegen wir unsere Arme langsam oder genau so, wie wir es in der Form üben. Wir lernen in der Form “nur”, wie wir die Arme richtig positionieren müssen, wenn wir die Reflexe oder Schläge geschützt anwenden wollen oder aber auch, wie wir Beine, Arme und Gelenke so nutzen, damit wir optimale Kräfteverhältnisse aufbauen und nutzen können. Der wirkliche Kampf wird im Sparring geübt, aber Formen, ChiSao und LatSao helfen uns dabei, nach dem WingChun-System zu kämpfen. Die Fehler im ChiSao oder LatSao helfen uns im Übrigen später, die Form genauer zu machen… und durch das exaktere Üben der Form werden wir auch im LatSao, ChiSao und natürlich im Kampf besser. Das WingChun-System ist also in sich geschlossen – jeder Übungsteil trägt seine Notwenigkeit zum System bei und sollte mit gleicher Motivation trainiert werden. Möchte ich also nach dem WingChun-System kämpfen lernen, wäre es falsch, nur Sparring zu machen. Ebenso wäre es aber genau so fahrlässig, nur ChiSao oder Formentraining abzuhalten, da sich das System durch alle Bestandteile definiert. Je mehr ich dann von den Grundtechniken verstanden habe, desto wichtiger wird die Kampferfahrung, denn es gilt wie in jedem Kampfstil: gut im Kämpfen werde ich, wenn ich möglichst viel kämpfe :-)

Üben der Form:

Ich kann die Siu Nim Tao auf verschiedene Art und Weise ausführen. Für das Erlernen ist es zuerst wichtig, sie langsam und entspannt zu üben. Dabei ist der Oberkörper so entspannt wie möglich, die Beine aber angespannt, damit der Stand verwurzelt wird und sich die Kniespannung aufbauen und trainieren kann. Wenn der Ablauf verstanden und in Mark und Bein übergegangen ist, bieten sich die folgenden Arten des Übens an:

  1. meditativ, langsam und achtsam (Der Geist ist zentriert und im gegenwärtigen Moment)
  2. kraftvoll, Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung (alle Reflexe werden so entspannt wie möglich ausgeführt, die Schläge kraftvoll und explosiv)
  3. bewegt (wir gehen im Raum umher, unsere Beine bewegen sich, der Oberkörper führt im Gehen die Form aus)
  4. durchmischt (höhere Schülergrade können auch die einzelnen Sätze wiederholen oder Teile von anderen Formen einbauen)
  5. “biu-tze-fiziert” (die Fähigkeiten aus der Biu Tze können innerhalb der Siu Nim Tao angewendet werden)

Abschliessend sei noch einmal betont, dass die Siu Nim Tao-Form ein wichtiges Fundament des WingChun-Systems darstellt. Darum wird sie praktisch am Anfang von jedem Training einmal durchgemacht, um uns auf die kommenden Übungen vorzubereiten. Nutzt also die Gelegenheit und versucht die Form von Mal zu Mal besser zu machen, zentriert Euch und bleibt ganz bei jeder einzelnen Bewegung!

Für Rückfragen stehe ich Euch gerne zur Verfügung!

Beste Grüsse

WingChun-Schule Chur

Mario Clavadetscher

 

 

WingChun-Selbstverteidigung: einfach erklärt

Geschrieben am 21. August 2016 von Mario Clavadetscher

Das Besondere an der WingChun-Selbstverteidigung ist, dass man nicht nur einzelne Techniken lernt, sondern ein ganzes Prinzip hinter der Kampflogik dieses Systems steckt. Wir üben also nicht nur Verteidigung A auf Angriff B, sprich: “wenn der Angreifer von vorne würgt, dann verteidige ich mich genau so oder so”, sondern wir handeln immer nach den vier Prinzipien des WingChun. Das erste Prinzip erscheint mir dabei fast das Wichtigste: “Ist der Weg frei, dann gehe geschützt vor”.

Grund für diese Prinzipien ist, dass die Realität immer anders sein wird, als wir es im Training üben. Auch haben wir in einer Angriffssituation nicht die Zeit, den genauen Angriff zu erkennen und dann auch noch die nötige Antwort in unserem Gehirn “zu suchen”. Wir müssen auch bedenken, dass wir bei einem Angriff unter grossem Stress stehen, was wiederum unsere kognitiven Fähigkeiten einschränkt. Somit gehen wir im WingChun, egal was kommt, geschützt vor und versuchen mit einem Gegenangriff besonders verletzliche Stellen des Angreifers zu treffen. Um geschützt vorzugehen benutzen wir das Keilprinzip, bei welchem unser Angriff gleichzeitig unsere Abwehr darstellt. Blocks gibt es im WingChun also nur im Notfall… Sollte sich der Angreifer gegen unseren Gegenangriff verteidigen können, hilft uns das Reflextraining oder das Chi Sao dabei, die nächste freie Angriffsstelle zu finden und den Gegner doch noch zu treffen.

Diese Prinzipien gelten überall. Seien es Würgeangriffe, Umklammerungen, Schläge oder Tritte im Stand, aber auch am Boden verhält sich der WingChünler genau gleich.

Im folgenden Clip sieht man eine einfache Würgeabwehr, bei welchem der Verteidiger einfach mal das erste Prinzip anwendet und in “jede offene Stelle Schläge oder Tritte platziert”. Natürlich eine Übungssituation, aber es veranschaulicht schön den ersten wichtigen Punkt bei der Selbstverteidigung: “Welchen Körperteil habe ich noch frei, um zu schlagen oder zu treten?”.

 

Für Rückfragen stehe ich Euch gerne zur Verfügung.

Schöne Grüsse

WingChun-Schule Chur

Mario Clavadetscher

Gute Anleitung zur einfachen Selbsthypnose

Geschrieben am 20. August 2016 von Mario Clavadetscher

Für alle, die es interessiert oder für die ChiGong-Schüler zum Nachlesen findet Ihr hier eine gute Anleitung zur Selbsthypnose, wie wir sie auch schon im Training gemacht haben.

https://www.moderne-hypnotherapie.de/selbsthypnose-lernen/

Viel Spass beim Ausprobieren. Bei Fragen kommt einfach auf mich zu.

Beste Grüsse

WingChun-Schule Chur

Mario Clavadetscher

Bald geht es wieder los!

Geschrieben am 12. August 2016 von Mario Clavadetscher

Liebe Schülerinnen und Schüler

Wir hoffen, Ihr hattet bis jetzt einen angenehmen Sommer!

Am Montag, dem 22. August starten wir schon wieder mit dem Training. Wenn Ihr Euch bis dahin noch etwas “aufpeppen” möchtet, dann haben wir für Euch zwei kurze Übungen zusammengestellt, um den Körper und den Geist wieder etwas ans Training zu gewöhnen :-)

WingChun-Tabata-Training

Beim Tabata-Training wechseln sich 20 Sekunden Anstrengung mit 10 Sekunden Pause ab. Das ganze Training enthält 8 solcher Blöcke, dauert also nur 4 Minuten und sieht wie folgt aus:

  1. 20 Sekunden Kettenfauststösse (so viele und so schnell wie möglich)
  2. 10 Sekunden Pause
  3. 20 Sekunden Vorwärtstritte (so viele und so schnell wie möglich)
  4. 10 Sekunden Pause
  5. 20 Sekunden Liegestütze (so viele wie möglich)
  6. 10 Sekunden Pause
  7. 20 Sekunden Kniebeugen (so viele wie möglich)
  8. 10 Sekunden Pause
  9. 20 Sekunden Schattenboxen (so schnell wie möglich)
  10. 10 Sekunden Pause
  11. 20 Sekunden Kicks in die Luft (so viele wie möglich)
  12. 10 Sekunden Pause
  13. 20 Sekunden Schattenboxen mit Kicks (so schnell wie möglich)
  14. 10 Sekunden Pause
  15. 20 Sekunden Strecksprünge (so viele wie möglich)
  16. 10 Sekunden Pause

Tipp für Draufgänger: Pause verkürzen oder Serie wiederholen

Atemmeditation (Vipassana)

Für die Atemmeditation verwenden wir ebenfalls nur 5 Minuten. Sie soll unseren Geist zentrieren und ruhiger machen, wird den Körper nach dem Tabata-Training beruhigen und holt uns auch in den gegenwärtigen Moment zurück.

  1. Bequeme, aber aufrechte Sitzhaltung einnehmen, Augen schliessen
  2. Einen Punkt im Körper suchen, wo Ihr den Atem gut spürt (Nase, Brust oder Bauch)
  3. Konzentration auf diesen Punkt ausrichten und den Atem spüren und beobachten (einfach so wie er gerade ist, ohne etwas anders haben zu wollen, als es gerade ist)
  4. Wenn der Geist abdriftet (Gedanken, Geräusche, Emotionen oder Empfindungen), kurz in Gedanken vermerken, wo er war (etikettieren) und sanft die Konzentration zurück zum Atem führen
  5. Punkt 3 bis 4 für 5 Minuten wiederholen

Anmerkung: Der Geist darf ruhig abdriften, so ist er halt eben. Macht Euch also keinen Stress, sondern richtet die Konzentration immer wieder von Neuem auf den Atem aus. (Um das geht es eigentlich!!!)

Tipp: Wenn gewünscht, kann die Dauer der Meditation natürlich nach Belieben verlängert werden.

Viel Spass beim Üben. Bei Fragen wendet Euch einfach an mich!

Liebe Grüsse

WingChun-Schule Chur

Mario Clavadetscher

 

 

 

 

 

Sommerferien WingChun-Schule Chur

Geschrieben am 14. Juni 2016 von Mario Clavadetscher

Liebe Schülerinnen und Schüler

Dieses Jahr finden die Sommerferien für WingChun und ChiGong wie folgt statt:

Wir wünschen Euch jetzt schon einen tollen Sommer, weniger Regen… und erholsame Ferien.

Herzliche Grüsse

WingChun-Schule Chur

Roger, Beat und Mario

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