Gesundheit
Liebe Wing Chun- und Kampfkunst-Freunde
Chi Gong: Wie lebt man gesund?
Obwohl ich weiss, wie schnell man bei den Themen “Ernährung” und “Gesundheit” einen regelrechten Glaubenskrieg auslösen kann, möchte ich mich im heutigen Newsletter doch heranwagen und ein paar Zeilen darüber schreiben.
Ich bin mir bewusst, dass die Meinungen hier sehr weit auseinander gehen. So liest man heute in der Zeitung, dass gemäss einer neusten Studie der regelmässige Konsum von Gemüse Krebs vorbeugen soll und wenige Monate später beweist eine andere Studie, dass Gemüse nicht oder kaum Krebs verhindern kann. In dieser Weise treten immer wieder gesicherte, widerlegte oder neue Ansichten über Nahrung, Sport oder die Psyche und deren Wirkung auf das Immunsystem des Menschen auf.
Weit entfernt von einem empirischen Umgang mit diesen komplexen Zusammenhängen gibt es dann noch die eher kommerziell motivierten Ansätze und Tipps, welche jeglicher wissenschaftlicher Basis entbehren. So werden zum Beispiel spezielle entgiftende Bambuspflaster aus Japan, entsäuernde Fussbäder oder Pülverchen aus China und wundersame Salben angeboten, welche ebenfalls zu einem langen und gesunden Leben beitragen sollen. Die Darmspülung ist zum Lifestyle geworden, Trinkwasser muss energetisiert werden, damit es im Körper heilsam wirken kann.
Nun, ich möchte versuchen, mich in diesem Newsletter an gesicherte Erkenntnisse zu halten und ein paar pragmatische Tipps für ein gesundes Leben zu geben, die einfach und ohne ins Portemonnaie zu greifen, umsetzbar sind. Dabei werde ich dem “Gesundheits-Muffel” wohl etwas zu weit gehen, dem “Gesundheits-Fan” wohl viel zu oberflächlich bleiben.
Aber hier sind wir schon beim Kern der Sache: “der gesunde Mittelweg” und “Masshalten in allem, was man macht” gilt für alle Säulen der Gesundheit. Diese Säulen sind meiner Meinung grob gesagt: Ernährung, Bewegung/Sport, Psycho- und Schlafhygiene.
1. Ernährung
Der Mensch ist ein “Allesfresser” und sollte sich vielseitig und abwechslungsreich ernähren. Dabei ist vor allem unverarbeiteten und natürlichen Produkten, also Gemüse, Obst, Wasser, Vollkornprodukten, Fleisch, Honig, nicht aromatisierten Tees usw. der Vorrang zu geben.
Die Kampagne der Krebsliga “mindestens 5 mal täglich Obst und Gemüse” zu essen macht durchaus Sinn und sollte wenn möglich auch befolgt werden. Obst und Gemüse enthalten sehr viele sekundäre Pflanzenstoffe, Mineralien und Vitamine. Je frischer dabei ein Produkt beim Verzehr ist, desto mehr davon ist darin enthalten. Auch Tiefkühlgemüse hat durchaus noch einen sehr hohen Gehalt an diesen gesunden Stoffen, da es meistens unmittelbar nach der Ernte schockgefrohren wird. Und selbst Fisch und Fleisch kann – in Massen konsumiert – zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung gehören. Dabei sollte vor allem der Fisch, aber auch das weisse Fleisch (Geflügel) dem roten Fleisch (Schwein, Rind) vorgezogen werden. Ein zuviel an rotem Fleisch steht im Verdacht, gewisse Krankheiten zu begünstigen. Wenn man es sich leisten kann, sollten biologische Fleischprodukte vorgezogen werden – wer Einblick in die industriellen Fangmethoden von Fisch hat oder die Bilder von Tierfabriken vor Augen hat, dem wird es schwer fallen, Tiere unbekannter Herkunft zu essen. Antibiotika im Schweinefleisch, damit die viel zu schnell und ohne Auslauf gemästeten Schweine nicht gleich krank werden, sind nur ein Beispiel.
Aus gesundheitlicher Sicht muss man sich also nicht unbedingt rein vegetarisch ernähren, es scheint aber gesünder zu sein, wenn man an zwei bis drei Tagen pro Woche auf Fleisch verzichtet.
Die Menge der zugeführten Nahrung ist ein weiterer Punkt. Es besteht eine traurige Diskrepanz zwischen der ersten und der dritten Welt. Während die Menschen in der dritten Welt krank werden oder sterben, weil sie zu wenig Nahrung haben, ist es bei uns umgekehrt. Wir essen zuviel und werden oft gerade darum krank. Wir sollten folglich mit dem Essen aufhören, wenn wir satt sind und uns nicht zu viele Kalorien zuführen. Vielleicht gelingt uns das besser, wenn wir im Hinterkopf haben, dass wir zu den privilegierten Menschen auf der Erde gehören, wenn wir genug zu essen haben.
Fasten statt Fastfood
“Entschlackung” und “Fasten” werden medizinsch eher kontrovers diskutiert. Während die eine Seite das Fasten als Glück- und Gesundheit bringendes Ritual hochjubelt, ist die andere Seite eher skeptisch und warnt davor. Die Existenz von Schlacken wird schulmedizinisch bezweifelt. Der Mensch sei kein Hochofen, worin Schlacken anfallen können.
Ich persönlich halte dafür, eher darauf zu schauen, welche Gifte man oben in sich hineingiesst als der “Entschlackung” zuviel Beachtung zu schenken. Es scheint zwar erwiesen, dass unsere Gene und unser Immunsystem auch karge Zeiten kennen sollten, ich vermute aber, dass eine regelmässige gesunde und vollwertige Ernährung für die Gesundheit besser ist als lange und regelmässige Fastenkuren. Fakt ist, dass Fasten und Hungern für den Körper Stress bedeuten, welcher mit Glückshormonen bekämpft wird. Daher kommen – nach einer möglichen depressiven Anfangsphase - die Hochgefühle, wenn man ein paar Tage gefastet hat.
Zu diesem unendlichen Thema empfehle ich Euch das Buch “moderne Ernährungsmärchen” von Sven-David Müller. Darin schlachten drei Ernährungswissenschaftler einige heilige Kühe. Das Buch ist meiner Meinung ein guter Gegenpol zu den gängigen Meinungen bezüglich Ernährung.
2. Bewegtes Leben
Während Leistungssport das Immunsystem schwächt, stärkt moderat betriebener Sport das Immunsystem. Unsere Gene sind auf Bewegung programmiert. Wir bewegten uns Tausende von Jahren regelmässig, bevor mit dem Bürostuhl die Ära von Übergewicht und Rückenschmerzen eingeläutet wurde.
Um dieser Degeneration durch den Stuhl entgegenzuwirken, braucht es ein Training, welches Ausdauer, Kraft und Stretching gleichermassen berücksichtig.
Das Ausdauertraining (Wandern, Joggen, Schwimmen, Walken usw.) ist wichtig für das Herz-Kreislauf-System und bringt soooo viele Vorteile, das eigentlich nicht darauf verzichtet werden sollte. Mit 3 bis 5 Einheiten pro Woche à 30 bis 60 Minuten tut man sich schon sehr viel Gutes!
Krafttraining schützt die Gelenke, stärkt den ganzen Muskelapparat inklusive der Knochen und verbessert auch den Metabolismus (Stoffwechsel) in der Muskulatur. Krafttraining ist sowohl an Maschinen oder Hanteln, aber auch mit dem eigenen Körpergewicht möglich. Auch hier ist weniger oft mehr. Um einen gesundheitlichen Benefit zu erhalten, muss man sich keinen Panzer à la Schwarzenegger antrainieren.
Stretching fördert die Beweglichkeit und entlastet die Gelenke. Es wirkt Verkürzungen entgegen und sollte eigentlich regelmässig durchgeführt werden. Viele asiatische Sportarten beinhalten gute Dehnungsübungen. Die Königsdisziplin ist dabei sicher der Yoga.
3. Psycho- und Schlafhygiene
Bis heute gibt es noch sehr wenig gesicherte Rückschlüsse von der Psyche auf bestimmte Krankheiten. So liess sich zum Beispiel bis heute keinen Zusammenhang zwischen der psychischen Verfassung und der Entstehung einer Krebserkrankung zeigen. Untersuchungen konnten bei depressiven Menschen KEIN häufigeres Auftreten von Krebs zeigen. Die im Volksmund oder der Alternativmedizin manchmal erwähnte “Krebspersönlichkeit” eines Menschen steht demnach auf wakligem Fundament. Die Zusammenhänge sind wohl zu kompliziert um einfach kausale Zusammenhänge skizzieren zu können. Die Psychoneuroimmunologie versucht, hier Zusammenhänge aufzuzeigen und etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Hier werden in den nächsten Jahren sicher interessante Erkenntnisse publiziert.
Was aber ziemlich gesichert zu sein scheint, ist, dass langandauernder negativer Stress (Überforderung, Schlafmangel, Sorgen, Ängste, Lärm usw.) das Immunsystem schwächt. Und somit haben wir über die Schwächung des Immunsystems durch Stress einen möglichen Link zu verschiedenen gesundheitlichen Störungen. Und genau hier können wir ansetzen und ein paar Massnahmen für den Hausgebrauch ergreifen.
Längerandauernde psychische Probleme sollten mit einer Fachperson (Psychiater oder Psychologe) besprochen werden, im Beruf sollte auf eine Work-Life-Balance geachtet werden (ich weiss!!! leichter gesagt als getan…), regelmässige Entspannungsübungen (Meditation, autogenes Training, progressive Muskelentspannung usw.) können einen gelassener durch den Alltag führen.
Schlaf Dich gesund!
Gemäss zahlreichen Medienberichten schlafen viele Menschen in Europa zu wenig. Im Schlaf verarbeitet unser Gehirn viele Informationen und Eindrücke des Tages, der Körper regeneriert sich, Muskeln bauen sich auf, das Nervensystem erholt sich usw. Wenn wir mal schauen, was im Schlaf alles passiert, ist es eigentlich verheerend, wenn wir regelmässig zu wenig Schlaf bekommen. Schade, dass der Vorsatz, endlich mal früher ins Bett zu gehen, meistens nur bis Feierabend dauert und vom Fernseher weggespült wird. Warum nicht einfach ein langweiliges oder schwieriges Buch zu Hand nehmen – und schon ist man weg!
Soviel zur Frage, wie man gesund lebt. Man könnte wohl noch unzählige weitere Seiten darüber schreiben, stundenlange diskutieren und auch streiten. “Masshalten”, “das Gleichgewicht anstreben”, “weniger ist oft mehr”, “nicht zu viel und nicht zu wenig” sind die Schlagworte, welche mir wichtig erscheinen.
WIR FREUEN UNS ÜBER FRAGEN, ERGÄNZUNGEN ODER FEEDBACK.
Mit sportlichen Grüssen
Wing Chun-Schule Chur
Mario Clavadetscher
Newsletter November 2007
Liebe Wing Chun- und Kampfkunst-Freunde
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Chi Gong: Entspannungsverfahren Autogenes Training
Anfangs dieses Jahres haben wir einen kleinen Kurs in der verkürzten Form des autogenen Trainings (AT) in unser ordentliches Training integriert. Zur Erinnerung oder für neue Newsletter-Empfänger hier nochmals die damaligen News und Anleitungen zum Üben aus dem Archiv:
- http://www.wt-chur.ch/xNews/xNews.php?act=archive&from=1,2007
- http://www.wt-chur.ch/xNews/xNews.php?act=archive&from=3,2007
- http://www.wt-chur.ch/xNews/xNews.php?act=archive&from=4,2007
Ich hoffe, dass einige von Euch das AT immer noch anwenden und einen Benefit daraus ziehen konnten. Für die anderen sei hier aus Gründen der Motivation nochmals ein Link zu einer Videoschulung aufgeführt, welche ich im Internet gefunden habe. Ihr findet hier ein paar Videos mit einer kurzen und prägnanten Übungsanleitung. Vielleicht packt es den einen oder die andere ja nochmals, wieder mit dem Üben zu beginnen.
http://www.gesundheitpro.de/Autogenes-Training-So-gehts-Entspannung-A061205KOANP038309.html
Viel Spass!!! und kommt bei Fragen einfach auf mich zu.
Trainingsbetrieb
Wir haben Verständnis, dass man nicht immer pünktlich zum Training erscheinen kann, bitten jedoch vor der Türe zu warten, bis die Siu Nim Tao zu Beginn des Trainings vorbei ist. So werden die übrigen Schülerinnen und Schüler nicht gestört.
Besten Dank für Euer Verständnis!
Letztes Training 2007 und Weihnachtsapéro:
Das letzte Training im Jahr 2007 findet am Donnerstag, dem 20.12. statt. Wir beginnen bereits um 1900 Uhr und treffen uns ab 20:30 Uhr zum gemütlichen Beisammensein im Restaurant Lacuna in Chur.
Prüfungen
Anfangs 2008 (im Januar oder im Februar) wollen wir wieder die Möglichkeit anbieten, eine Prüfung abzulegen. Bitte macht Euch Gedanken, ob Ihr schon so weit seid und meldet Euch so bald wie möglich bei einem Ausbilder an. Bei der Entscheidungsfindung helfen wir Euch gerne. Zum neuen Stoff werden wir zusätzlich auch die verbesserungswürdigen Techniken von der letzten Prüfung kontrollieren.
Und denkt bitte daran: in der Selbstverteidigung auf der Strasse zählen keine Graduierungen. Mit den Prüfungen und Schülerprogrammen wollen wir Euch lediglich Schritt für Schritt durchs Wing Chun führen und dabei aber auch eine gewisse Lernkontrolle nicht vernachlässigen.
Mit sportlichen Grüssen
Wing Chun-Schule Chur
Mario Clavadetscher
Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln
Liebe Wing Chun- und Kampfkunst-Freunde
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Sicherheit im Alltag: Sicher unterwegs mit den öffentlichen Verkehrsmitteln
Will man den Medienberichten glauben schenken und bezieht noch das subjektive Sicherheitsgefühl mit ein, so scheinen vor allem Bushaltestellen, Bahnhöfe oder Bahnhofunterführungen in den grösseren Städten der Schweiz momentan beliebte Plätze für Pöbeleien und Jugendbanden zu sein. Insbesondere am späteren Abend kann es auch in Chur ungemütlich sein, an gewissen Orten vorbei zu laufen.
Die heutigen Sicherheitstipps beziehen sich daher auf die öffentlichen Verkehrsmittel. Diese Tipps erklären sich am besten vom Allgemeinen zum Speziellen. Mit “allgemein” meine ich wie immer das eigene Verhalten in kritischen Situationen, welches eigentlich für jedes spezielle Gebiet (Ausgang, Auto, Disco, Nachhauseweg, Belästigungen bei der Arbeit, öffentliche Verkehrsmittel usw.) Gültigkeit hat.
Dazu gehört unter anderem:
- selbstsicheres/selbstbewusstes Auftreten (vor dem Spiegel üben ;-)
- rechtzeitig Grenzen setzen (verbal und körpersprachlich)
- Alltag/Nachhauseweg vorausplanen und allenfalls Fahrer (Eltern, Freund, Freundin, Ehemann, Ehefrau usw…) organisieren
- Umfeldkontrolle (Hören, Sehen, Riechen, Fühlen), damit man nicht plötzlich in der Nacht vor einer Horde Betrunkener steht, weil man sie wegen dem lauten Walkman auf den Ohren nicht gehört hat
- mentale Vorbereitung auf kritische Situationen (Achtung: gemeint ist keine “paranoide Endzeitvorbereitung”, sondern ein entspanntes “Was tue ich wenn…”)
- an unangenehmen Orten (zBsp. nachts allein im Parkhaus) auf allfällige Zwischenfälle vorbereitet sein (Pfefferspray oder Schlüssel bereits in der Hand halten. Im Stress und unter Angsteinfluss findet man in der Handtasche nichts mehr…)
- Wenn möglich, spät abends nicht alleine unterwegs sein.
- Handy griffbereit (Notfallnummern bekannt ! ? !)
- Hände weg von Alkohol und Drogen
- auf der Flucht Passanten direkt ansprechen: ein “Bitte helfen Sie mir!” anstelle eines globalen “Hilfe” erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass einem geholfen wird
Folgende Tipps gelten für die öffentlichen Verkehrsmittel:
- Reisen sorgfältig planen um unnötige Wartezeiten oder Umwege zu vermeiden (vor allem nachts)
- bei ungutem Gefühl in der Nähe des Fahrers oder Kondukteurs und dort wo Menschen sind Platz nehmen
- Platz wechseln, wenn man belästigt wird (Zug- oder Buspersonal informieren)
- bei Belästigungen laut und bestimmt sprechen (Aufmerksamkeit erregen)
- beim Warten auf den Zug oder nächsten Bus, das Umfeld bewusst wahrnehmen (nicht träumen, keine Musik hören, keine Drogen –> Kopf muss hier bei der Sache sein)
- bei negativer Vorahnung oder “komischen Gestalten” draussen, besser nicht aussteigen und wenn möglich eine Haltestelle weiterfahren (evtl. Taxi bestellen, falls sinnvoll)
Bei allen Ratschlägen und Erfahrungen gilt immer, dass es in der Sicherheit nie 100 Prozent gibt. Glück und Tagesverfassung spielen immer auch eine Rolle, ähnlich wie in der physischen Selbstverteidigung. Die Technik, welche heute funktioniert, kann morgen ebenso gut in die Hose gehen, denn jede Situation ist wieder anders und kommt unter verschiedenen komplexen Einflüssen zustande. Die grosse unbekannte Komponente bleibt dabei der Aggressor.
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Mit sportlichen Grüssen
Wing Chun-Schule Chur
Mario Clavadetscher
Meditation
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Chi Gong: Meditation für den Alltag
In unserem Training von Entspannungsverfahren sind wir neben dem autogenen Training auch der Achtsamkeitsmeditation begegnet. Ich möchte daher die Gelegenheit nutzen und ein paar Worte zur Meditation allgemein und ihre Anwendung im Alltag schreiben.
Meditation hat ihre Wurzeln in den Religionen dieser Welt. Neben dem Hinduismus, dem Buddhismus und dem Taoismus finden sich auch in anderen Religionen wie dem Christentum oder dem Islam meditative Techniken. Einen Rosenkranz beten im Christentum hat zum Beispiel Ähnlichkeiten mit einer Mantra- Meditation im Hinduismus.
Natürlich erhält in den Religionen die Meditation ihren Sinn und Zweck durch den Glauben. So werden je nach Religion oder Glauben verschiedene übergeordnete Ziele mit der Meditation angestrebt. Man liest dabei von “Einswerden mit Gott”, “Einswerden mit dem Universum”, “Mit dem Überbewusstsein
in Verbindung treten”, “Transzendieren”, “Koheränz erreichen”, “Erleuchtung”, “Satori”, “Samadhi” usw.
Die Praxis der Meditation lässt sich dabei grob in zwei Bereiche einteilen: Konzentration und Achtsamkeit.
Bei der konzentrativen Meditation wird der Geist auf ein einziges Objekt fixiert, alles andere(Gedanken, Geräusche usw.) wird versucht, auszublenden. Zu dieser Art von Meditation gehören unter anderem die Mantra-Meditationen (zBsp Transzendentale Meditation TM), Meditationen auf Geräusche, Töne oder Mandalas usw.
Bei der Achtsamkeitsmeditation wird zwar auch mit der Konzentration auf den Atem gestartet, mit fortschreitender Übung soll aber nichts mehr im Geist ausgeblendet werden. Alles was auftaucht (Gedanken, Geräusche, Empfindungen etc.) soll in die Meditation miteinbezogen werden. Achtsamkeit bedeutet dabei in etwa: ich bin aufmerksam und bin mir meiner Aufmerksamkeit bewusst. Diese Form der Meditation soll von Buddha selber entwickelt worden sein. (Buddha = der Erwachte)
Die Wissenschaft interessiert sich seit Jahren auch für die Effekte der Meditation. Dabei lässt sich auf Grund des heutigen Kenntnisstandes sagen, dass es für gesundheitliche Effekte nicht darauf ankommt, welche Methode man zum Meditieren anwendet. Es ist auch egal, was für ein Mantra gewählt wird. Sei es nun “OM” oder das englische “One” oder “Iamon” oder sonst ein selbst kreiertes Fantasiewort. Wichtig ist nur, dass es zu einer regelmässig geübten konzentrativen Versenkung kommt, damit die Effekte im Gehirn wirken können.
Der einzige Unterschied zwischen den beiden oben erwähnten Arten ist vermutlich, dass es bei der konzentrativen Meditation zu einem eher Trance-ähnlichen Zustand im Gehirn kommt und bei der Achtsamkeit eher eine Wachsamkeit und Präsenz im Hier und Jetzt trainiert wird.
Vorsicht ist also geboten, wenn gewisse sektenähnliche Organisationen teure Mantras verkaufen, die eine bestimmte Bedeutung haben sollen. Der einzige zusätzliche Benefit eines solchen Mantras könnte durch Eigensuggestion hervorgerufen werden, dann würden wir aber mit dem autogenen Training effizienter und kostengünstiger arbeiten können. Das die Schwingungen des Mantras einen speziellen Einfluss auf den Körper oder Geist haben sollen, konnte bis heute nicht nachgewiesen werden. (siehe Studien von H. Benson und P. Carrington)
Einige wissenschaftliche Studien zur Meditation (der Dalai Lama ist ein grosser Förderer dieser Studien) konnten Hinweise darauf geben, dass regelmässige Meditation viele Vorteile für den Alltagsgebrauch bietet. Die folgenden Vorteile lassen sich als ziemlich gesichert ausweisen:
- Stressreduktion (besserer Umgang mit Stress)
- Stressresistenz (man fühlt sich weniger schnell gestresst)
- Verminderung von Ängsten und Nervosität (da weniger Stresshormone)
- subjektiv fühlt man sich besser und mehr im Gleichgewicht
- höhere Leistungsfähigkeit in Sport und Beruf
- höhere Kreativität (noch nicht 100%ig gesichert)
- Stärkung des Immunsystems (noch nicht 100%ig gesichert)
- bessere Akzeptanz und Verarbeitung bei Schicksalsschlägen oder Krankheiten
- evtl. vorbeugend bei gewissen Krankheiten (noch nicht gesichert)
- evtl. unterstützend im Heilungsverlauf bei Krankheiten (noch nicht gesichert)
- to be continued (in Amerika werden Millionen in die Erforschung der Meditation investiert)
Am Besten meditiert man täglich für 10 bis 20 Minuten ohne einen grossen Benefit zu erwarten. Eine zu hohe Erwartungshaltung kann nämlich kontraproduktiv wirken und von der eigentlichen Übung ablenken. So sagen einige ZEN-Meister dazu: “3 Minuten pro Tag zu meditieren ist besser, als 90 Minuten nicht zu meditieren!” oder “Daneben zielen und doch treffen!”
Am Anfang sind Fleiss und Ausdauer zum regelmässigen Üben das Wichtigste. Alles andere kommt von selbst. Wenn man einen ZEN-Meister fragt, was einem meditieren bringt, kann die Antwort lauten: “Keine Ahnung. Aber ich kann an jedem Ort zu jeder Zeit gut sitzen.”
Nicht angezeigt oder mit Vorsicht zu geniessen ist Meditation bei psychischen Problemen oder psychischen Erkrankungen. Hier sollte zuerst mit dem Arzt darüber gesprochen werden, ob einem die Meditation in der jetzigen Phase gut tut oder eher schadet.
Es besteht je nach übertriebener Erwartungshaltung auch die Gefahr, dass man “abspaced” oder der Realität entflieht durch die tägliche Praxis. Und Meditation möchte uns ja eigentlich lehren, in der Gegenwart zu leben und nicht ihr zu entfliehen.
Dr. Jon Kabat Zinn hat in Amerika die Achtsamkeitsmeditation mit grossem Erfolg im Gesundheitswesen eingeführt. An einer Tagung bei der Firma GOOGLE hat er sein Konzept und seine Studien vorgestellt. Seinen interessanten Vortrag könnt Ihr Euch hier ansehen:
http://www.youtube.com/watch?v=rSU8ftmmhmw
Viel Spass dabei!
Wenn Ihr Fragen zur Meditation habt oder Studien darüber lesen wollt, meldet Euch einfach bei mir.
Mit sportlichen Grüssen
Wing Chun-Schule Chur
Mario Clavadetscher
Newsletter Oktober 2007
Liebe Wing Chun- und Kampfkunst-Freunde
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Kung Fu bedeutet “Etwas durch harte/geduldige Arbeit Erreichtes”
Als ich letzthin unsere regionale Zeitung durchgeblättert habe, dachte ich, dass wir eigentlich in einer tollen Welt leben. “Abnehmen beginnt im Kopf, mit den richtigen mentalen Techniken purzeln die Pfunde, ohne dass Sie die Ernährung umstellen müssen!” Auf der nächsten Seite konnte ich mich für einen Kurs anmelden, bei welchem man lernt, Ängste, Sorgen, ja sogar Phobien einfach auf den Meridianen wegzuklopfen. Auch bei einem Mangel an Selbstvertrauen muss ich bei den richtigen Punkten am Körper klopfen und mein Selbstwert steigt auf ein “erträgliches” Niveau. Eine neuartige “Schwingungs-Medizin” oder “AURA-Chirurgie” hilft mir bei körperlichen Beschwerden, ein chinesisch-esoterischer Wohnberater unterstützt mich, dass ich mich auch zu Hause in den eigenen vier Wänden wohl fühle und nicht von negativen Schwingungen oder Strahlungen beeinträchtigt werde.
Wenn ich mir das so überlege, sind wir mit Kung Fu, mit “harter Arbeit” eigentlich gar nicht mehr so im Trend. Es ist halt auch frustrierend, wenn mich der Trainer bei der gleichen Bewegung immer wieder korrigiert, obwohl ich sie doch vor dem Spiegel so lange geübt habe! Und jetzt soll sie immer noch nicht stimmen??? Suche ich mir halt ein anderes Hobby… Heute geht eben alles viel leichter und einfacher als früher. Dies ist nun mal der Lauf der Zeit!
Oder gibt es auch hier zwei Seiten der Medaille? Yin UND Yang?
Ein altes wohlbekanntes Sprichwort sagt: “Der Weg ist das Ziel”. Könnte es sein, dass wir uns in unserer heutigen Konsum-Gesellschaft zu sehr auf das Ziel fixieren oder den Weg dahin sogar vernachlässigen? Warum fühlen sich heute so viele Menschen im Alltag überfordert? Warum betrinken sich schon Kinder oder entfliehen der Realität mit Kiffen?
Ja, könnte es denn sein, dass wir uns bei der Umgehung des “Weges” um wichtige Erfahrungen berauben? Nehmen wir das Beispiel von oben mit dem Wegklopfen von Ängsten und Sorgen. Eine Psychotherapie, bei welcher ich mich mit mir und meinen Problemen auseinandersetzen muss, welche mir vielleicht die Augen bezüglich meinen Beziehungen zu anderen Menschen öffnet, die ist freilich zeitaufwendig und erfordert auch ein gewisses Mass an Mitarbeit von meiner Seite, zudem ist es nicht immer angenehm. Da ist mir das Klopfen beim Gesundbeter schon lieber.
Gleichzeitig habe ich mich aber um viele Erfahrungen über das Leben, über mich selber, über den Umgang mit Sorgen, darüber, wie ich Probleme selber lösen lerne, beraubt. Könnte diese Vermeidungsstrategie dazu beitragen, dass sich heute viele Menschen überfordert fühlen, weil sie nicht gelernt haben, mit schwierigen Situationen umzugehen?
Ich lasse diese Frage für jeden selber offen. Für das Wing Chun Kung Fu möchte ich aber noch etwas tiefer auf die Problematik eingehen: Wing Chun ist gesund, effizient und macht Freude. Aber es gibt auch Momente, in welchen Schüler und Lehrer gefrustet sind. Vielleicht ärgert sich der Schüler, dass er im Lat Sao immer getroffen wird, vielleicht sind der Schülerin ihre männlichen Trainingskollegen zu grob, vielleicht ist der Lehrer frustriert, weil ein Schüler nach dem x-ten Mal die Form immer noch nicht sauber beherrscht, vielleicht zweifelt der Lehrer dadurch sogar an seinen Fähigkeiten als Lehrer.
Aber dies sind alles sozusagen kostenlose Lektionen für das Leben, die uns wachsen lassen, wenn wir sie versuchen geduldig und beharrlich zu bewältigen.
Darum ist es auch wichtig, Wing Chun Schritt für Schritt zu erlernen und sich die Zeit zu nehmen, jede “Krücke” auf dem Weg zum Meister wirklich seriös zu üben. Es ist schade, bei den kleinsten Schwierigkeiten den Bettel einfach hinzuschmeissen und es bringt nichts, nach hohen Graduierungen zu lechzen und diese zu sammeln wie Trophäen. Die Illusion des unbesiegbaren Meisters könnte bei der ersten Schlägerei schmerzlich platzen!
Mein Vorschlag: Den ganzen Weg im Wing Chun wirklich auskosten, sich die Zeit nehmen, Wing Chun langsam, beharrlich und sauber zu erlernen und sich nicht ständig mit anderen Mitgliedern vergleichen. Besser ist es, sich selber immer ein wenig voranzubringen als nach hohen unrealistischen Zielen zu streben.
Zum obigen Thema empfehle ich Euch das Buch: “Die Droge Verwöhnung” von Jürg Frick und möchte den Newsletter mit dem folgenden Zitat schliessen:
„Kung Fu ist das Unterfangen des Menschen, sich durch ständiges Bemühen zu vervollkommnen. [...] Was immer wir auch tun, stets kommt in unserem Tun unsere innere Verfassung zum Ausdruck.[...] Wenn wir unser Handeln vervollkommnen, vervollkommnen wir uns selbst.“ Taisha Abelar
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Wing Chun-Schule Chur
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