alternative Medizin: Kräuter, Pülverchen, ChiGong, Yoga, Meditation, Homöopathie usw.

Geschrieben am 9. September 2016 von Mario Clavadetscher

Als Fitness-Freak war ich schon sehr früh von Supplementen begeistert, die man einwerfen kann, um die Leistung zu fördern oder die Regeneration zu beschleunigen. Ebenfalls hatte ich immer grosses Interesse an medizinischen Zusammenhängen, aber auch an alternativen Heilmethoden,  ja sogar für die Homöopathie habe ich mich, wenn auch nur ganz kurz, interessiert. Was ich mit der Zeit durch dieses „brennende Interesse“ gelernt habe ist, dass ich mir erstens vor allem in der Fitnessbranche das Geld für die meisten Supplemente hätte sparen können und zweitens, dass kein Weg an der Wissenschaftlichkeit von irgend welchen Heilversprechungen oder Wirkmechanismen vorbei führt. Einige mögen jetzt innerlich rebellieren, wenn sie das Wort „Wissenschaft“ hören und mit Argumenten wie „durch die Pharma gekaufte Studien“, „mit natürlichen Stoffen lässt sich kein Geld machen“ oder „die wollen gar nicht, dass wir gesund sind“ hervorschallen, aber es ist in der Tat so, dass sich die Wissenschaft auch für pflanzliche Heilmittel oder alternative Medizin interessiert und durchaus auch Wirkungen derselben anerkennt und bestätigt. Wissenschaftler wollen nicht einfach nur ein Pharmamedikament verkaufen, sondern sie prüfen Zusammenhänge auf Grund von wissenschaftlichen Gesichtspunkten und forschen in zahlreichen Gebieten, um unser Wissen weiterzuentwickeln. Ebenfalls ist es manchmal so, dass einige Menschen, die auf alternative Medizin schwören, nur dort mit den Erkenntnissen der Wissenschaft hart ins Gericht gehen, wo ihre Ideologie oder „ihre Methode“ an der Wand der Realität zerschellt . Bezüglich iPhone, WLAN, Flugzeugen, Heizungen, Kühlschrank, Pflanzenzucht, WC-Spülung und all den Errungenschaften, die uns das Leben erleichtern und die wir im Alltag brauchen ist man meistens aufgeschlossener gegenüber von Forschung und Wissenschaft :-)

Ich möchte hier jetzt aber keine Diskussion oder einen Glaubenskrieg auslösen und bin mir durchaus bewusst, dass sich auch die Wissenschaft manchmal irrt und Erkenntnisse umgestossen werden (das ist ja eigentlich auch das Positive an der Wissenschaft: SIE ENTWICKELT SICH, wogegen leider einige alternative Heilmethoden Theorien bedienen, die aus einer Zeit stammen, wo man die Erde noch für eine Scheibe hielt), NEIN, ich möchte lieber ein paar Tipps geben, wie man sich im Dschungel der vielen Angebote und Pülverchen zurecht findet, damit man so wenig Geld wie möglich aus dem Fenster wirft und vor allem seiner Gesundheit keinen Bärendienst erweist.

TIPP 1: Die Geschichte und Entwicklung einer Heilmethode nachlesen

Viele der alternativen Heilmethoden oder Pülverchen, die heute sogar auch in Apotheken verkauft werden, obwohl noch nie eine Wirkung in Studien gezeigt werden konnte, sind vor vielen Jahrzehnten schon entwickelt worden, haben dann aber an Bedeutung verloren und sind erst mit der NEW AGE-Bewegung wieder populär geworden. Wichtig ist auch, wer es wie erfunden hat. „Intuitiv durch eine einzelne Person“ ist immer schon ein Warnzeichen. Ebenfalls, wenn Zusammenhänge beschrieben werden, die für die Biologie oder die Medizin kaum nachvollziehbar sind. Zum Beispiel: „wenn sie am Morgen eher eine belegte Zunge haben, auf der rechten Seite einen Leistenbruch feststellbar ist und es manchmal an der Pobacke juckt und der Patient unruhig wird bei kühlem Wetter, dann nehmen Sie XY“, dann frage ich mich schon, wie man solche Zusammenhänge herstellen kann ohne fundierte Untersuchungen und wie man nachher die Gültigkeit einer solchen Aussage auf die ganze Menschheit übertragen will.

TIPP 2: Nicht nur über die Wirkung nachlesen, sondern auch über die Nebenwirkung

Es kann ja durchaus sein, dass ich durch das pflanzliche Pulver XY mehr Muskeln bekomme. Aber was bringt es mir, wenn ich nachher einen Nierenschaden habe?

TIPP 3: Nicht alles Pflanzliche oder Natürliche ist gesund und hat keine Nebenwirkungen

Alles was wirkt, hat vermutlich in irgend einer Weise auch mögliche Nebenwirkungen. Bei pflanzlichen Mitteln wird das oft unterschätzt. Bei einem pharmazeutischen Medikament, welches strengen Kontrollmechanismen unterliegt, steht es am Montag im Beipackzettel, wenn jemand davon in China Durchfall bekommen hat. Bei den pflanzlichen Mitteln fehlt manchmal dieser Kontrollmechanismus. Ich mag mich noch erinnern, dass ich auf Grund eines Buches einmal die Juwelpillen der tibetischen Medizin ausprobieren wollte. Zum Glück las ich aber vorher, dass die Dinger oft Quecksilber enthalten, weil das im alten Tibet als nützliche Arznei angesehen wurde. Mittlerweile ist es dadurch auch schon zu schweren Vergiftungen gekommen, wie man den Medien entnehmen konnte. Auch können pflanzliche Mittel Interaktionen mit Medikamenten haben. Es macht also immer Sinn, sich gut zu informieren, bevor man die gemahlene Wurzel einwirft!

TIPP 4: Sich nicht (nur) auf Erfahrungen von anderen verlassen

Wenn Menschen von einem Wirkstoff oder von einer Heilmethode schwärmen, hat das oft verschiedene psychologisch erklärbare Gründe. Bei den heute noch vertriebenen Aloe Vera-Produkten liegt der finanzielle Hintergrund der Verkäufer oft auf der Hand. Hier wird man dann noch gerne mit den unglaublichsten Heilgeschichten bespickt, dass man am liebsten gleich sofort so ein Fläschchen exen würde :-) Aber mit der Zeit merkt man dann, dass die Geschichte von der Katze mit dem Tumor am Auge, welcher plötzlich verschwand, als man ihr Aloe Vera ins Wasser gab, auch von anderen Produkten verwendet wird.

Oft spielt auch der Zufall mit, dass man auf etwas schwört und daran glaubt. Es gibt chronische Krankheiten, die aus dem Nichts auftauchen und manchmal auch von selber wieder verschwinden. Wenn ich nun zuerst beim Arzt war, dann beim Homöopathen, dann beim Chinesen und erst nach dem Kinesiologen war es dann weg, erstelle ich einen Zusammenhang, welcher vielleicht gar nicht richtig ist. Vielleicht wäre die Krankheit von alleine verschwunden. Im Einzelfall kann ich das nicht mit Bestimmtheit sagen. Es ist also auch hier wichtig, dass man sich richtig informiert. Wissen und Bildung hat noch nie geschadet…

 

TIPP 5: Jetzt gibt es Fleisch am Knochen

Auf der Seite des National Center for Complementary and Integrative Health findet man eine gute Zusammenstellung von fast jedem Pülverchen, Würzelchen oder jeder Heilmethode. Auf dieser Seite wird beurteilt, ob das Supplement oder die Heilmethode in Studien Wirkungen zeigte, ob es Nebenwirkungen gibt und mit welchen Risiken man rechnen muss. Ich finde, die Angaben sind sehr objektiv gehalten, denn es werden auch Abstufungen gemacht, ob etwas wirkt, gar nicht wirkt, vielleicht wirkt oder es noch weitere Untersuchungen braucht, um konkret etwas auszusagen. Ich kann jedem Sportler oder Menschen, der eine alternative Methode oder ein Supplement ausprobieren möchte, nur empfehlen, diese Seite zu konsultieren. Entscheiden kann man dann am Schluss immer noch selber, ob man doch einen Versuch starten will.

 

Zum Abschluss und zur Auflockerung sei hier noch ein kurzer Ausschnitt vom Arzt und Komiker Dr. Eckart von Hischhausen angefügt: Wunderheilung.

Er bringt „unser Thema“ in witziger Weise auf den Punkt.

Beste Grüsse

WingChun-Schule Chur

Mario Clavadetscher