Schöne Festtage!
Liebe Todais (chin. für Schülerinnen und Schüler)
Das Jahr rast seinem Ende entgegen. Ist es nicht seltsam? Einerseits sehen wir ja an uns, an den Veränderungen in der Natur und der Umwelt, dass die Zeit unwiderruflich an uns „nagt“, andererseits ist die „Zeit“ etwas, was wir konstruieren, oft genug um uns selber unter Stress zu setzen. Wer klagt nicht über prallvolle Agenden und zu viele Termine bzw. zu wenig Zeit. Manchmal lohnt es sich (zum Beispiel am Jahresende) einmal innezuhalten und sich zu fragen, ob all der Stress und das „multitaske“ Leben es wirklich gebracht haben. Unsere Zeit krankt an der „Gleichzeitigkeit von allem Möglichen“ – eine raffinierte Werbestrategie in Verbund mit fast grenzenlosen technischen Möglichkeiten gaukelt uns vor, wir müssten ständig „etwas Neues“ ausprobieren, uns ständig verändern, „lebenslänglich lernen“. Alles gut, aber was geht dabei verloren? Liegt das Neue wirklich nur ein Mausklick von mir entfernt? Und ist es nicht das „Immergleiche“, das sich im Gewand des „Ständigneuen“ präsentiert? Vor lauter Angst, etwas zu verpassen, den Anschluss nicht mehr zu erwischen und dann hoffnungslos abzufallen, stürzt sich der moderne Mensch in immer neue, sinnlose Unternehmungen, die ihn nicht zur Ruhe kommen lassen und ihn zwingen, das wertvollste Gut, nämlich die Zeit, zu opfern.
Manchmal hilft da ein Blick in die traditionelle Philosophie, um sein eigenes Leben zu entschleunigen. Die alte griechische oder chinesische Philosophie ist zuweilen von beschämender „Einfachheit“. Die moderne Version einer antiken Lebensregel stammt von einem amerikanischen Theologen – sie lautet: Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Auch wenn wir im Wing Chun-Training das Dynamische und Kämpferische fördern, geht es im Endeffekt doch darum, die innere Harmonie zu finden, sich nicht nur sicherer, sondern auch entspannter in der Welt zu bewegen. Nicht zuletzt deswegen bietet Mario seit kurzem ein Chi Gong Training an.
Seit einiger Zeit beobachten wir, dass sich unter den rund 40 eingeschriebenen Kursteilnehmern ein Kern von Schülerinnen und Schülern herausbildet, die regelmässig und konzentriert trainieren und uns mit ihrem Interesse an der Theorie und Praxis von Wing Chun anregen und fordern. Das bestätigt uns im Bemühen, die Schülerprogramme, welche wir seit einiger Zeit nicht mehr einzeln, sondern in Stufen zusammengefasst prüfen, weiterhin fliessend zu unterrichten. So werden die Zusammenhänge für alle sichtbarer und motivierte Schüler kommen auf ihre Rechnung.
Unsere Schule bleibt in der KW 52, also vom 27.12. – 2.1.11 geschlossen. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit im neuen Jahr mit Euch und leisten weiterhin gerne unseren Beitrag, um sich mit mehr Sicherheit, innerer Ruhe und Freude in dieser (gewiss nicht gerade einfachen, aber doch schönen) Welt zu bewegen. Für Anregungen und Kritik (aber auch Zuspruch) sind wir offen.
Euch und Euren Angehörigen, Freunden und Bekannten schöne Festtage und für uns alle ein gutes neues Jahr!
Mit herzlichen Grüssen – eure Ausbilder
Roger Staub      Mario Clavadetscher    Beat Salzgeber
P.S.: Adressänderungen (auch Mailadressen) bitte melden! Danke.