Chi Sao

Geschrieben am 12. November 2010 von Mario Clavadetscher

Als ich das erste Mal mit Wing Chun in Berührung kam, hatte ich vorher vor allem harte Kampfstile trainiert. „Hart“ meint in diesem Zusammenhang die Methode, wie einem Angriff begegnet wird und hat nichts damit zu tun, ob der Stil für harte Kerle ist oder für weiche ;-)
Eine harte Abwehr könnte zum Beispiel ein Block sein, mit welchem man einen Faustschlag abwehrt. Man setzt also seine Kraft der Kraft des Angreifers entgegen.
Bei einem weichen Stil, hier Wing Chun, nimmt man die Kraft des Gegners auf und lässt sie ins Leere laufen, bzw. drückt sich von dem Angriff weg. Wenn man dies mit Fussball vergleichen würde, würde beim harten Stil der Torwart den Ball auf herkömmliche Art und Weise auffangen, sprich, er stellt sich zwischen Tor und Ball, damit es kein Goal gibt. Beim weichen Stil würde der Torwart vielleicht das Tor hinter sich aus der Schusslinie schieben.

Das geniale am Wing Chun ist nun, dass sich durch das viele Chi Sao-Training, das Tor wie von alleine hinter dem Torwart wegschiebt! Aber alles ganz der Reihe nach ;-)

Chi Sao ist das Herzstück des Wing Chun oder wie man auch manchmal sagt: „der Leim, der alles zusammen hält“. Chi Sao („klebende Hände“) ist einfach ausgedrückt ein Reflextraining, welches mit einem Partner geübt wird. Es ist in mehrere Sektionen unterteilt, damit der Schüler seine taktilen Reflexe Schritt für Schritt trainieren und ausbilden kann. Zuerst in den Armen, dann in den Beinen. (Chi Gerk)
Das Ziel des Chi Sao besteht darin, ein körperliches Gefühl für die Aktionen des Kampfpartners zu entwickeln und die Fertigkeit, daraus Ansatzpunkte für eigene Aktionen zu finden. Aus dieser unmittelbaren Kenntnis heraus kann im Kampf eine Schwachstelle oder Blockade im Kraftfluss des Partners erspürt und zu dessen Destabilisierung ausgenutzt werden.
Obwohl Chi Sao viele Stunden geübt werden muss, kommt es in einem Kampf wohl nur für den Bruchteil einer Sekunde zum Einsatz… und zwar da, wo wir auf die Kraft des Gegners stossen, um diese dann weich aufzunehmen und gegen den Angreifer selber zu nutzen. Dies ermöglicht in der Selbstverteidigung das „Siegen durch Nachgeben-Prinzip“, auch wenn der Angreifer stärker ist.

Keilprinzip und Chi Sao-Reflexe helfen uns in der Kampfsituation, sofort geschützt in den Gegner vorzugehen und beim daraus entstehenden In-Fight unsere stärksten Waffen, die Ellenbogen und Knie einzusetzen. Wichtig dabei ist immer der richtige Vorwärtsdruck oder das Federprinzip.

Hier ein paar Eindrücke, wie Chi Sao trainiert werden kann:

http://www.vuutv.net/b0d4053327:36l8CyJj7y4.html

http://www.vuutv.net/452041d6dc:r6yCVL31XEY.html

http://www.vuutv.net/f1d650ed11:Z7oEttu1HM8.html

 
Im Folgenden wird sehr zusammenhängend erklärt, wie Chi Sao innerhalb eines Kampfes anzuwenden, bzw. zu verstehen ist. Ganz wichtig: Chi Sao-Üben hat direkt nichts mit Kampf zu tun, sondern ist eines von vielen Werkzeugen (ein ganz zentrales im Wing Chun), welches wir im Kampf anwenden können.

http://www.vuutv.net/d326cbaaf3:EPXBP18NTy4.html

http://www.vuutv.net/3742287786:W6z5QikKVh4.html

 
Chi Sao ist nicht nur faszinierend zum Üben, es macht einem locker und schnell in den Armen und Beinen, Chi Sao ist meiner Meinung auch der tragendste Punkt, warum Wing Chun zur Selbstverteidigung so gut geeignet ist.  Ich habe auf meiner „persönlichen Suche“ kein vergleichbares System gefunden, welches auch einer körperlich stark unterlegenen Person noch so viele Chancen zur Verteidigung bietet. Besonders Frauen, welche sich längerfristig dem Thema „Selbstverteidigung“ widmen möchten, kann ich Wing Chun nur wärmstens empfehlen!

Für weitere Fragen stehen wir Euch gerne zur Verfügung.

 
Mit sportlichen Grüssen

Wing Chun-Schule Chur

Mario Clavadetscher