Gesundheit

Geschrieben am 3. Dezember 2007 von Mario Clavadetscher

Liebe Wing Chun- und Kampfkunst-Freunde

Chi Gong: Wie lebt man gesund?

Obwohl ich weiss, wie schnell man bei den Themen “Ernährung” und “Gesundheit” einen regelrechten Glaubenskrieg auslösen kann, möchte ich mich im heutigen Newsletter doch heranwagen und ein paar Zeilen darüber schreiben.

Ich bin mir bewusst, dass die Meinungen hier sehr weit auseinander gehen. So liest man heute in der Zeitung, dass gemäss einer neusten Studie der regelmässige Konsum von Gemüse Krebs vorbeugen soll und wenige Monate später beweist eine andere Studie, dass Gemüse nicht oder kaum Krebs verhindern kann. In dieser Weise treten immer wieder gesicherte, widerlegte oder neue Ansichten über Nahrung, Sport oder die Psyche und deren Wirkung auf das Immunsystem des Menschen auf.

Weit entfernt von einem empirischen Umgang mit diesen komplexen Zusammenhängen gibt es dann noch die eher kommerziell motivierten Ansätze und Tipps, welche jeglicher wissenschaftlicher Basis entbehren. So werden zum Beispiel spezielle entgiftende Bambuspflaster aus Japan, entsäuernde Fussbäder oder Pülverchen aus China und wundersame Salben angeboten, welche ebenfalls zu einem langen und gesunden Leben beitragen sollen. Die Darmspülung ist zum Lifestyle geworden, Trinkwasser muss energetisiert werden, damit es im Körper heilsam wirken kann.

Nun, ich möchte versuchen, mich in diesem Newsletter an gesicherte Erkenntnisse zu halten und ein paar pragmatische Tipps für ein gesundes Leben zu geben, die einfach und ohne ins Portemonnaie zu greifen, umsetzbar sind. Dabei werde ich dem “Gesundheits-Muffel” wohl etwas zu weit gehen, dem “Gesundheits-Fan” wohl viel zu oberflächlich bleiben.

Aber hier sind wir schon beim Kern der Sache: “der gesunde Mittelweg” und “Masshalten in allem, was man macht” gilt für alle Säulen der Gesundheit. Diese Säulen sind meiner Meinung grob gesagt: Ernährung, Bewegung/Sport, Psycho- und Schlafhygiene.

1. Ernährung

Der Mensch ist ein “Allesfresser” und sollte sich vielseitig und abwechslungsreich ernähren. Dabei ist vor allem unverarbeiteten und natürlichen Produkten, also Gemüse, Obst, Wasser, Vollkornprodukten, Fleisch, Honig, nicht aromatisierten Tees usw. der Vorrang zu geben.

Die Kampagne der Krebsliga “mindestens 5 mal täglich Obst und Gemüse” zu essen macht durchaus Sinn und sollte wenn möglich auch befolgt werden. Obst und Gemüse enthalten sehr viele sekundäre Pflanzenstoffe, Mineralien und Vitamine. Je frischer dabei ein Produkt beim Verzehr ist, desto mehr davon ist darin enthalten. Auch Tiefkühlgemüse hat durchaus noch einen sehr hohen Gehalt an diesen gesunden Stoffen, da es meistens unmittelbar nach der Ernte schockgefrohren wird. Und selbst Fisch und Fleisch kann – in Massen konsumiert – zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung gehören. Dabei sollte vor allem der Fisch, aber auch das weisse Fleisch (Geflügel) dem roten Fleisch (Schwein, Rind) vorgezogen werden. Ein zuviel an rotem Fleisch steht im Verdacht, gewisse Krankheiten zu begünstigen. Wenn man es sich leisten kann, sollten biologische Fleischprodukte vorgezogen werden – wer Einblick in die industriellen Fangmethoden von Fisch hat oder die Bilder von Tierfabriken vor Augen hat, dem wird es schwer fallen, Tiere unbekannter Herkunft zu essen. Antibiotika im Schweinefleisch, damit die viel zu schnell und ohne Auslauf gemästeten Schweine nicht gleich krank werden, sind nur ein Beispiel.

Aus gesundheitlicher Sicht muss man sich also nicht unbedingt rein vegetarisch ernähren, es scheint aber gesünder zu sein, wenn man an zwei bis drei Tagen pro Woche auf Fleisch verzichtet.

Die Menge der zugeführten Nahrung ist ein weiterer Punkt. Es besteht eine traurige Diskrepanz zwischen der ersten und der dritten Welt. Während die Menschen in der dritten Welt krank werden oder sterben, weil sie zu wenig Nahrung haben, ist es bei uns umgekehrt. Wir essen zuviel und werden oft gerade darum krank. Wir sollten folglich mit dem Essen aufhören, wenn wir satt sind und uns nicht zu viele Kalorien zuführen. Vielleicht gelingt uns das besser, wenn wir im Hinterkopf haben, dass wir zu den privilegierten Menschen auf der Erde gehören, wenn wir genug zu essen haben.

Fasten statt Fastfood

“Entschlackung” und “Fasten” werden medizinsch eher kontrovers diskutiert. Während die eine Seite das Fasten als Glück- und Gesundheit bringendes Ritual hochjubelt, ist die andere Seite eher skeptisch und warnt davor. Die Existenz von Schlacken wird schulmedizinisch bezweifelt. Der Mensch sei kein Hochofen, worin Schlacken anfallen können.

Ich persönlich halte dafür, eher darauf zu schauen, welche Gifte man oben in sich hineingiesst als der “Entschlackung” zuviel Beachtung zu schenken. Es scheint zwar erwiesen, dass unsere Gene und unser Immunsystem auch karge Zeiten kennen sollten, ich vermute aber, dass eine regelmässige gesunde und vollwertige Ernährung für die Gesundheit besser ist als lange und regelmässige Fastenkuren. Fakt ist, dass Fasten und Hungern für den Körper Stress bedeuten, welcher mit Glückshormonen bekämpft wird. Daher kommen – nach einer möglichen depressiven Anfangsphase – die Hochgefühle, wenn man ein paar Tage gefastet hat.

Zu diesem unendlichen Thema empfehle ich Euch das Buch “moderne Ernährungsmärchen” von Sven-David Müller. Darin schlachten drei Ernährungswissenschaftler einige heilige Kühe. Das Buch ist meiner Meinung ein guter Gegenpol zu den gängigen Meinungen bezüglich Ernährung.

2. Bewegtes Leben

Während Leistungssport das Immunsystem schwächt, stärkt moderat betriebener Sport das Immunsystem. Unsere Gene sind auf Bewegung programmiert. Wir bewegten uns Tausende von Jahren regelmässig, bevor mit dem Bürostuhl die Ära von Übergewicht und Rückenschmerzen eingeläutet wurde.

Um dieser Degeneration durch den Stuhl entgegenzuwirken, braucht es ein Training, welches Ausdauer, Kraft und Stretching gleichermassen berücksichtig.

Das Ausdauertraining (Wandern, Joggen, Schwimmen, Walken usw.) ist wichtig für das Herz-Kreislauf-System und bringt soooo viele Vorteile, das eigentlich nicht darauf verzichtet werden sollte. Mit 3 bis 5 Einheiten pro Woche à 30 bis 60 Minuten tut man sich schon sehr viel Gutes!

Krafttraining schützt die Gelenke, stärkt den ganzen Muskelapparat inklusive der Knochen und verbessert auch den Metabolismus (Stoffwechsel) in der Muskulatur. Krafttraining ist sowohl an Maschinen oder Hanteln, aber auch mit dem eigenen Körpergewicht möglich. Auch hier ist weniger oft mehr. Um einen gesundheitlichen Benefit zu erhalten, muss man sich keinen Panzer à la Schwarzenegger antrainieren.

Stretching fördert die Beweglichkeit und entlastet die Gelenke. Es wirkt Verkürzungen entgegen und sollte eigentlich regelmässig durchgeführt werden. Viele asiatische Sportarten beinhalten gute Dehnungsübungen. Die Königsdisziplin ist dabei sicher der Yoga.

3. Psycho- und Schlafhygiene

Bis heute gibt es noch sehr wenig gesicherte Rückschlüsse von der Psyche auf bestimmte Krankheiten. So liess sich zum Beispiel bis heute keinen Zusammenhang zwischen der psychischen Verfassung und der Entstehung einer Krebserkrankung zeigen. Untersuchungen konnten bei depressiven Menschen KEIN häufigeres Auftreten von Krebs zeigen. Die im Volksmund oder der Alternativmedizin manchmal erwähnte “Krebspersönlichkeit” eines Menschen steht demnach auf wakligem Fundament. Die Zusammenhänge sind wohl zu kompliziert um einfach kausale Zusammenhänge skizzieren zu können. Die Psychoneuroimmunologie versucht, hier Zusammenhänge aufzuzeigen und etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Hier werden in den nächsten Jahren sicher interessante Erkenntnisse publiziert.

Was aber ziemlich gesichert zu sein scheint, ist, dass langandauernder negativer Stress (Überforderung, Schlafmangel, Sorgen, Ängste, Lärm usw.) das Immunsystem schwächt. Und somit haben wir über die Schwächung des Immunsystems durch Stress einen möglichen Link zu verschiedenen gesundheitlichen Störungen. Und genau hier können wir ansetzen und ein paar Massnahmen für den Hausgebrauch ergreifen.

Längerandauernde psychische Probleme sollten mit einer Fachperson (Psychiater oder Psychologe) besprochen werden, im Beruf sollte auf eine Work-Life-Balance geachtet werden (ich weiss!!! leichter gesagt als getan…), regelmässige Entspannungsübungen (Meditation, autogenes Training, progressive Muskelentspannung usw.) können einen gelassener durch den Alltag führen.

Schlaf Dich gesund!

Gemäss zahlreichen Medienberichten schlafen viele Menschen in Europa zu wenig. Im Schlaf verarbeitet unser Gehirn viele Informationen und Eindrücke des Tages, der Körper regeneriert sich, Muskeln bauen sich auf, das Nervensystem erholt sich usw. Wenn wir mal schauen, was im Schlaf alles passiert, ist es eigentlich verheerend, wenn wir regelmässig zu wenig Schlaf bekommen. Schade, dass der Vorsatz, endlich mal früher ins Bett zu gehen, meistens nur bis Feierabend dauert und vom Fernseher weggespült wird. Warum nicht einfach ein langweiliges oder schwieriges Buch zu Hand nehmen – und schon ist man weg!

Soviel zur Frage, wie man gesund lebt. Man könnte wohl noch unzählige weitere Seiten darüber schreiben, stundenlange diskutieren und auch streiten. “Masshalten”, “das Gleichgewicht anstreben”, “weniger ist oft mehr”, “nicht zu viel und nicht zu wenig” sind die Schlagworte, welche mir wichtig erscheinen.

WIR FREUEN UNS ÜBER FRAGEN, ERGÄNZUNGEN ODER FEEDBACK.

Mit sportlichen Grüssen
Wing Chun-Schule Chur
Mario Clavadetscher