Meditation
Liebe Wing Chun- und Kampfkunst-Freunde
Viel Spass beim Lesen des aktuellen Newsletters! Im Archiv findet Ihr weitere
interessante Infos zu den Themen Selbstverteidigung, Chi Gong und Sicherheit.
Chi Gong: Meditation für den Alltag
In unserem Training von Entspannungsverfahren sind wir neben dem autogenen Training auch der Achtsamkeitsmeditation begegnet. Ich möchte daher die Gelegenheit nutzen und ein paar Worte zur Meditation allgemein und ihre Anwendung im Alltag schreiben.
Meditation hat ihre Wurzeln in den Religionen dieser Welt. Neben dem Hinduismus, dem Buddhismus und dem Taoismus finden sich auch in anderen Religionen wie dem Christentum oder dem Islam meditative Techniken. Einen Rosenkranz beten im Christentum hat zum Beispiel Ähnlichkeiten mit einer Mantra- Meditation im Hinduismus.
Natürlich erhält in den Religionen die Meditation ihren Sinn und Zweck durch den Glauben. So werden je nach Religion oder Glauben verschiedene übergeordnete Ziele mit der Meditation angestrebt. Man liest dabei von “Einswerden mit Gott”, “Einswerden mit dem Universum”, “Mit dem Überbewusstsein
in Verbindung treten”, “Transzendieren”, “Koheränz erreichen”, “Erleuchtung”, “Satori”, “Samadhi” usw.
Die Praxis der Meditation lässt sich dabei grob in zwei Bereiche einteilen: Konzentration und Achtsamkeit.
Bei der konzentrativen Meditation wird der Geist auf ein einziges Objekt fixiert, alles andere(Gedanken, Geräusche usw.) wird versucht, auszublenden. Zu dieser Art von Meditation gehören unter anderem die Mantra-Meditationen (zBsp Transzendentale Meditation TM), Meditationen auf Geräusche, Töne oder Mandalas usw.
Bei der Achtsamkeitsmeditation wird zwar auch mit der Konzentration auf den Atem gestartet, mit fortschreitender Übung soll aber nichts mehr im Geist ausgeblendet werden. Alles was auftaucht (Gedanken, Geräusche, Empfindungen etc.) soll in die Meditation miteinbezogen werden. Achtsamkeit bedeutet dabei in etwa: ich bin aufmerksam und bin mir meiner Aufmerksamkeit bewusst. Diese Form der Meditation soll von Buddha selber entwickelt worden sein. (Buddha = der Erwachte)
Die Wissenschaft interessiert sich seit Jahren auch für die Effekte der Meditation. Dabei lässt sich auf Grund des heutigen Kenntnisstandes sagen, dass es für gesundheitliche Effekte nicht darauf ankommt, welche Methode man zum Meditieren anwendet. Es ist auch egal, was für ein Mantra gewählt wird. Sei es nun “OM” oder das englische “One” oder “Iamon” oder sonst ein selbst kreiertes Fantasiewort. Wichtig ist nur, dass es zu einer regelmässig geübten konzentrativen Versenkung kommt, damit die Effekte im Gehirn wirken können.
Der einzige Unterschied zwischen den beiden oben erwähnten Arten ist vermutlich, dass es bei der konzentrativen Meditation zu einem eher Trance-ähnlichen Zustand im Gehirn kommt und bei der Achtsamkeit eher eine Wachsamkeit und Präsenz im Hier und Jetzt trainiert wird.
Vorsicht ist also geboten, wenn gewisse sektenähnliche Organisationen teure Mantras verkaufen, die eine bestimmte Bedeutung haben sollen. Der einzige zusätzliche Benefit eines solchen Mantras könnte durch Eigensuggestion hervorgerufen werden, dann würden wir aber mit dem autogenen Training effizienter und kostengünstiger arbeiten können. Das die Schwingungen des Mantras einen speziellen Einfluss auf den Körper oder Geist haben sollen, konnte bis heute nicht nachgewiesen werden. (siehe Studien von H. Benson und P. Carrington)
Einige wissenschaftliche Studien zur Meditation (der Dalai Lama ist ein grosser Förderer dieser Studien) konnten Hinweise darauf geben, dass regelmässige Meditation viele Vorteile für den Alltagsgebrauch bietet. Die folgenden Vorteile lassen sich als ziemlich gesichert ausweisen:
- Stressreduktion (besserer Umgang mit Stress)
- Stressresistenz (man fühlt sich weniger schnell gestresst)
- Verminderung von Ängsten und Nervosität (da weniger Stresshormone)
- subjektiv fühlt man sich besser und mehr im Gleichgewicht
- höhere Leistungsfähigkeit in Sport und Beruf
- höhere Kreativität (noch nicht 100%ig gesichert)
- Stärkung des Immunsystems (noch nicht 100%ig gesichert)
- bessere Akzeptanz und Verarbeitung bei Schicksalsschlägen oder Krankheiten
- evtl. vorbeugend bei gewissen Krankheiten (noch nicht gesichert)
- evtl. unterstützend im Heilungsverlauf bei Krankheiten (noch nicht gesichert)
- to be continued (in Amerika werden Millionen in die Erforschung der Meditation investiert)
Am Besten meditiert man täglich für 10 bis 20 Minuten ohne einen grossen Benefit zu erwarten. Eine zu hohe Erwartungshaltung kann nämlich kontraproduktiv wirken und von der eigentlichen Übung ablenken. So sagen einige ZEN-Meister dazu: “3 Minuten pro Tag zu meditieren ist besser, als 90 Minuten nicht zu meditieren!” oder “Daneben zielen und doch treffen!”
Am Anfang sind Fleiss und Ausdauer zum regelmässigen Üben das Wichtigste. Alles andere kommt von selbst. Wenn man einen ZEN-Meister fragt, was einem meditieren bringt, kann die Antwort lauten: “Keine Ahnung. Aber ich kann an jedem Ort zu jeder Zeit gut sitzen.”
Nicht angezeigt oder mit Vorsicht zu geniessen ist Meditation bei psychischen Problemen oder psychischen Erkrankungen. Hier sollte zuerst mit dem Arzt darüber gesprochen werden, ob einem die Meditation in der jetzigen Phase gut tut oder eher schadet.
Es besteht je nach übertriebener Erwartungshaltung auch die Gefahr, dass man “abspaced” oder der Realität entflieht durch die tägliche Praxis. Und Meditation möchte uns ja eigentlich lehren, in der Gegenwart zu leben und nicht ihr zu entfliehen.
Dr. Jon Kabat Zinn hat in Amerika die Achtsamkeitsmeditation mit grossem Erfolg im Gesundheitswesen eingeführt. An einer Tagung bei der Firma GOOGLE hat er sein Konzept und seine Studien vorgestellt. Seinen interessanten Vortrag könnt Ihr Euch hier ansehen:
http://www.youtube.com/watch?v=rSU8ftmmhmw
Viel Spass dabei!
Wenn Ihr Fragen zur Meditation habt oder Studien darüber lesen wollt, meldet Euch einfach bei mir.
Mit sportlichen Grüssen
Wing Chun-Schule Chur
Mario Clavadetscher