Effektive und effiziente Selbstverteidigung

Geschrieben am 19. Juni 2007 von Mario Clavadetscher

Liebe WT-Freunde

Was ist eine effiziente und effektive Selbstverteidigung?

Nun, dies ist ein Konzept, welches neben technischen (Kampfstil) auch taktische, rechtliche und psychologische Aspekte miteinfliessen lässt.

Untersucht man Auseinandersetzungen, so scheint die Technik zweitrangig zu sein. Mit dem eigenen Verhalten und Benehmen, dem Planen des Tagesablaufes und verschiedenen sicherheitstechnischen Vorsichtsmassnahmen können viele brenzlige Situationen bereits im Ansatz verhindert werden.

Viele!!! Aber eben nicht alle…

Wenn es wirklich einmal zum Kampf kommt, müssen die Abwehrtechniken wirksam sein. Gehen wir von einem (viel) stärkeren Angreifer aus, fallen einige Techniken schon mal weg:

Kraft, Gewicht und Masse spielen leider immer auch eine zentrale Rolle im Kampf, nicht nur die Technik. So gibt es den kleinen unbesiegbaren Mr. Miyagi, welcher mit seinem Kampfstil die stärksten Gegner aus dem Weg räumt, in der Wirklichkeit leider kaum. Wer das Gegenteil beweisen möchte, soll doch einmal als Meister einer Kampfkunst gegen einen technisch völlig unerfahrenen Berggorilla antreten. Wir sind gespannt auf das Ergebnis ;-)

Die Ultimate Fights, bei welchen sich die verschiedensten Stile messen können, zeigen genau, dass die Sieger meistens äusserst massig , schwer und muskulös sind.

Aber was heisst dies nun für uns? Wie verteidigen wir uns gegen einen viel stärkeren Gegner?

Tja, in der Sicherheitsbranche gibt es leider selten 100%-Lösungen. Ein Restrisiko wird immer bleiben! Die Techniken (Schläge und Tritte) sollten einfach sehr schnell zu einem wirkungsvollen Treffer führen. Das heisst, der Treffer muss eine sofortige Wirkung am Körper zeigen. (Bsp: bei einem Schlag auf die Nase kommen die Tränen, bei einem Ellenbogen in den Hals wird man benommen, bei einem Fingerstich in die Augen wird die Sicht beeinträchtigt usw.)

Wir empfehlen vor allem mit Ellenbogenschlägen und Knietritten zu arbeiten. Diese sind von Natur aus hart und müssen nicht erst lange trainiert werden wie zum Beispiel Faustschläge. Aber auch letztere lassen sich im Gesichts- und Halsbereich sehr gut anwenden.

Die Genitalien sind ein bekanntes Ziel für Tritte und Schläge, aber auch Kneifen, Haare-Reissen, Beissen oder Gegenstände zu Hilfe nehmen sind Teil einer umfassenden und sicheren Selbstverteidigung. Beim Beissen muss einfach dem Risiko einer Infektion mit HIV oder Hepatitis Rechnung getragen werden.

Abschliessend soll nochmals gesagt werden, dass ein bestimmtes und selbstbewusstes Auftreten im Alltag wertvoller ist, als eine stählerne Faust am Körper zu tragen ;-) Über den Sieg eines Kampfes entscheiden letztlich nicht nur Technik und Kraft, sondern auch Tagesform und Glück.

Hoffen wir alle, dass wir unsere Techniken nie wirklich anwenden müssen! EINEN KAMPF, DEN ICH NICHT FÜHREN MUSS, IST EIN GEWONNENER KAMPF!

Beste Grüsse
WingTsun-Schule Chur
Mario Clavadetscher